90 Jahr-Feier SoVD Bad Nenndorf

Lautlos, aber nicht mehr wegzudenken

 

«Mit einer kleinen Ausstellung und Feierstunde hat der Sozialverband Deutschland sein 90-jähriges Bestehen in Bad Nenndorf gefeiert. Dabei ließen die Gratulanten keinen Zweifel daran, dass die Arbeit des früheren Reichsbundes heute so nötig ist wie 1919 zur Gründung der Ortsgruppe. »

«Kreuzriehe.» Wie wertvoll ein gutes Erinnerungsvermögen für die Nachwelt sein kann, hat der Gründungsvorsitzende des heutigen Sozialverbandes Bad Nenndorf bewiesen. Im Jahr 1957 schrieb Wilhelm Stege die Entstehung und die ersten 30 Jahre der Ortsgruppe nieder. Denn gleich zweimal waren alle wichtigen Unterlagen zuvor verloren gegangen. Zunächst 1933, als die NSDAP den am 7. Februar 1919 in Groß und Klein Nenndorf gegründeten Reichsbund verbot und wenig später als Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung vor den eigenen Karren spannte. Zum zweiten Mal verschwanden die Dokumente in den Wirren nach dem Krieg, so dass Stege später Stift und Papier zur Hand nahm und ein Gedächtnisprotokoll verfasste, das bei der 90-Jahr-Feier im Gasthaus Hattendorf als offizielles Gründungsprotokoll an der Wand hing.

Der einstige Postbote hatte 1919 mit 37 anderen Personen eine Ortsgruppe für den Reichsbund gegründet, der sich seit zwei Jahren um Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene kümmerte. Die Entwicklung des Vereins, der heute 240 Mitglieder zählt, stellten die heutige Vorsitzende Rita Walther und der Vorstand in einer Chronik den Gästen vor. Die Instrumental- und Mandolinengruppe Lüdersfeld begleitete die Feierstunde, in der vor allem Willi Meier (Vorsitzender 1968 bis 1986) als „Vater der Ortsgruppe“ und seine Nachfolgerin Elfriede Brockmann (von 1986 bis 2002 im Amt und danach Ehrenvorsitzende) gewürdigt wurden.

Aber nicht nur die beiden erhielten Lob, sondern der gesamte Sozialverband. Die Arbeit reiche weit in die Geschichte zurück, meinte Samtgemeindebürgermeister Bernd Reese als erster Gratulant. Die Maschen im sozialen Netz seien größer geworden. „Es ist wichtig, dass auch Hilfe kommt, wenn Not da ist“, so Reese. Die müsse man sich aber wie schon vor 90 Jahren erringen und erstreiten. Reese bedankte sich für die verlässliche Zusammenarbeit. Die Berater des Sozialverbandes hätten immer ein offenes Ohr, stellten sich den sozialen Aufgaben und guckten dabei auch nicht auf die Uhr. „Wir brauchen Sie auch 2009“, meinte Reese und war sicher, dass der Ortsverein in zehn Jahren sein 100-jähriges Bestehen feiern werde. Auch Bad Nenndorfs stellvertretender Bürgermeister Werner Tatge würdigte den „Dienst am Nächsten“, von dem nicht nur die bundesweit 500 000 Mitglieder profitierten. Er wünschte dem Vorstand Glück, Erfolg, Kraft und immer genug ehrenamtliche Mitstreiter, „denn auch in Zukunft gibt es viel zu tun“.

Lautlos, aber nicht mehr wegzudenken. So charakterisierte Hastes SoVD-Chef Otto Jüttner die Arbeit der Kollegen in Bad Nenndorf. Auch in Zeiten, in denen Gemeinschaft, Solidarität und gesellschaftliche Verantwortung offenbar weniger gefragt seien, sei der Verband erfolgreich und helfe seinen Mitgliedern in vielfältiger Weise.

Kreisvorsitzender Helmut Laux formulierte deutliche Worte an die Volksvertreter, die große Schirme für die Banken und Großunternehmer spannten, aber nicht für das soziale Netz. Ohne die Steuermilliarden der Bürger wäre das nicht möglich. Die Geschichte des Vereins bedeute auch 90 Jahre Kampf für gerechte Politik und Ehrenamt. Ohne die Arbeit der Mitglieder in den Ortsvereinen gäbe es die sozialen Errungenschaften im heutigen Umfang nicht. Laux stellte den Forderungskatalog des Sozialverbandes zur Bundestagswahl vor. Vor allem die Rentner würden von allen Seiten verschaukelt, klagte Laux und mahnte: „Eine Kuh kann man nur so lange melken, so lange sie genügend zu fressen und zu saufen hat.“

13.02.2009 / SN